zurück

Schulsanitätsdienst ( Literatur)   

1. Einleitung

2. Soziales Lernen

3. Förderung der Handlungskompetenz

4. Sinnfindung und Persönlichkeitsentwicklung

5. Schulsanitätsdienst - Dienst am Nächsten

6. Öffnung von Schule


1. Einleitung

Am 17.11.2004 trafen sich zum ersten Mal Schülerinnen und Schüler (im Folgenden der besseren Lesbarkeit nur Schüler genannt) in der Bleickenschule, die Interesse an einem Schulsanitätsdienst hatten. In den nächsten Wochen und Monaten bauten die Schüler jetzt unterstützt durch die Bleickenschule und das Jugendrotkreuz den Schulsanitätsdienst auf. Sie besuchten bereits einen bestehenden Dienst und holten sich Tipps und gute Ratschläge ab. Es folgten die 16stündige Ausbildung und die Übernahme des Dienstes an der Bleickenschule. Nach nunmehr einem guten Jahr Bestehen ist der Schulsanitätsdienst auf einem guten Weg. Welche Ziele wir verfolgen, soll diese Konzeption verdeutlichen.

2. Soziales Lernen

Schüler, die sich entschließen, beim Schulsanitätsdienst mitzumachen, erfahren, was es heißt, sich für andere Mitschüler einzusetzen, lernen aber auch kennen, was es bedeutet, sich in die Obhut eines anderen (Mitschülers) zu begeben. Insofern erlernen sie nicht nur, fachgerecht entsprechend ihrer Ausbildung zu handeln und zu agieren, sondern können Situationen, in denen Menschen in ihrer Umgebung Hilfe benötigen, erkennen und korrekt einschätzen. Sie werden in Zukunft mit „offeneren Augen“ durch ihren Alltag gehen.

Mit der Teilnahme am Schulsanitätsdienst erweitern die Schüler jedoch nicht nur ihr persönliches Handlungsrepertoire und ihre Sensibilität für den Anderen, sondern sie übernehmen auch ein Stück mehr Verantwortung für das Lernen und Leben in ihrer Schule. In ihren Händen liegt nun zu einem nicht unerheblichen Teil die Sicherheit insbesondere der Mitschüler. Sie sind für das Wohlergehen ihrer „Patienten“ zuständig und erfahren was es heißt, jemandem in einer für ihn nicht zu bewältigenden Situation beizustehen. Ein Ziel ist dabei ebenso, dass die Schüler nach einer professionellen Einarbeitung immer selbständiger ihre Aufgaben wahrnehmen.

Durch das Auftreten der Schüler als Schulsanitäter und ihr dazu gewonnenes Verhaltensrepertoire, dass sie nicht nur im Sanitätsraum, sondern auch auf dem Schulhof oder bei Schulveranstaltungen einsetzen können, nehmen sie für die Mitschüler auch eine Vorbildrolle ein. Diese wiederum animiert sie zu einem bewussteren Handeln und immer wieder zu einer Reflexion ihrer eigenen Rolle.

Neben der Verantwortung für die Gesundheit ihrer Mitschüler, tragen die Schulsanitäter jedoch auch Verantwortung für den Umgang mit den Utensilien der Ersten Hilfe. Hier zu nennen wären natürlich der Raum und seine Ausstattung, die Verbandsmaterialien etc.

Der Schulsanitätsdienst bietet den Schülern auch die Möglichkeit, Leistungen zu erbringen, die gerade nicht in Form von Noten beurteilt werden, sondern ganz entscheidend von dem Erfolg der Maßnahme (Wunde wurde versorgt) und der Zufriedenheit bzw. dem Dank des Verunfallten. Dieses Art des Erfolgs und der damit verbundenen Bestätigung wirkt sicherlich nachhaltiger als eine abstrakte und immer relative Note.

3. Förderung der Handlungskompetenz

Die Ausbildung der Schüler zu Schulsanitätern umfasst einen 16stündigen Lehrgang in Erste Hilfe. Damit leisten sie einen nicht unerheblichen Beitrag zur Gesundheitserziehung. Die Schüler werden kompetent, in Notfallsituationen schnell und richtig zu handeln. Das Gefühl der Hilflosigkeit wird geringer. Durch ihre Ausbildung und die stetige Anwendung des Gelernten werden sie auch kompetenter, was das Agieren in Belastungssituationen angeht. Gerade aber die Erweiterung ihres Handlungsrepertoires ermöglicht es den Schülern, in Situationen, die zu eskalieren drohen, alternative Handlungsschemata aufzuzeigen. Darauf werde ich in Kapitel 3.1 eingehen. Kapitel 3.2 beschäftigt sich mit den Schnittmengen zwischen dem Schulsanitätsdienst und der Suchtprävention.  

3.1 Gewaltprävention

Wenn Kinder oder Jugendliche Verursacher oder Geschädigte von Gewalt sind, so sind sie dennoch immer ein Opfer – betrachtet als ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. An ihnen sehen wir, dass etwas nicht stimmt in unserer Gesellschaft. Beim Schulsanitätsdienst lernen die Schüler die Dimensionen des Handelns kennen und erfahren deren positive Auswirkungen immer wieder in der Ausführung ihrer Aufgabe. Sie erfahren dabei, was es heißt, einander mit Wertschätzung entgegenzutreten. Dies fördert die Selbstachtung, Lern- und Leistungsbereitschaft der Schüler. Weniger Unzufriedenheit und ein nicht mehr so starkes Gefühl der Hilf- und Aussichtslosigkeit lassen Gewalt als Lösung der Probleme oder zum Abbau von Frust immer mehr in den Hintergrund rücken. Stattdessen werden alternative Handlungsmöglichkeiten erlernt und der differenzierte Blick für die Befindlichkeiten und Bedürfnisse des Nächsten geschärft. Die Schulsanitäter lernen eben nicht nur, Wunden zu versorgen, sondern die gesamte Person zu betreuen. Das Erkennen der und Reagieren auf die Wünsche des Verunfallten ist elementarer Bestandteil des Schulsanitätsdienstes. Wenn ich mir jedoch die Wünsche und Bedürfnisse des Anderen bewusst mache, lerne ich ihn kennen und verstehen.

3.2 Suchtprävention

Neben der Gewaltprävention gehört die Suchtprävention mit zu den wichtigsten sozialen Aufgabenfeldern einer Schule. Im Rahmen der Suchtprävention können folgende Handlungskompetenzen und persönliche Eigenschaften als präventiv angesehen werden:

Jeder Unfall ist für die Schulsanitäter eine Belastungssituation, mit der umgegangen werden muss. Jedes Mal ist es für sie notwendig, auf die verletzte Person zuzugehen und Kontakt aufzunehmen. Dabei ist es ganz wichtig, dass dies kompetent und professionell erfolgt. Nur so ist sichergestellt, dass sich die verunfallte Person gut aufgehoben fühlt bei dem Schulsanitäter. Anzumerken ist dabei, dass 80 % aller Maßnahmen der Ersten Hilfe sich auf die Betreuung des Verletzten beziehen. Die tägliche Arbeit der Schulsanitäter liefert in diesem Sinne Suchtprävention die nach Innen wirkt. Aber auch auf die gesamte Schule wirkt der Vorbildcharakter der Schulsanitäter präventiv.

 4. Sinnfindung und Persönlichkeitsentwicklung

Durch ihre Aufgabe fällt es den Schulsanitätern leichter, ihre Identität zu finden. Ihre Mitarbeit begünstigen die positive Ausrichtung von Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. In dem sie sich mit Hilflosigkeit, Angst, Scham etc. auseinandersetzen, werden sie befähigt, sich ein differenziertes Bild von der Lebenswirklichkeit zu machen und kompetenter darin, in Frage über den Sinn des Lebens zu urteilen.

 5. Schulsanitätsdienst – Dienst am Nächsten

Konkret übernimmt der Schulsanitätsdienst bei uns an der Schule die folgenden Aufgaben:

  1. Erstversorgung bei Notfällen und Unfällen in der Schule

  2. Falls nötig: Alarmierung des Rettungsdienstes – in Zusammenarbeit mit dem Schulsekretariat

  3. Betreuung von in der Schule erkrankten Personen

  4. Sanitätsdienstliche Betreuung von Schulveranstaltungen. Zu nennen wären z. B.: der Orientierungslauf im Wernerwald im Herbst, die Bundesjugendspiele im Winter, das Spiel- und Sportfest im Frühjahr, das Schwimmfest im Freibad Steinmarne vor den Sommerferien.

  5. Verwaltung des Erste-Hilfe-MaterialsKlippert, Heinz: Methoden-Training. Übungsbausteine für den Unterricht. Beltz 112000

  6. Dokumentation der Einsätze

 6. Öffnung von Schule

Der Schulsanitätsdienst findet in enger Kooperation und Begleitung des Jugendrotkreuzes statt. Aus- und Weiterbildung wurden und werden zusammen mit dem JRK durchgeführt. Nicht wenige Schulsanitäter gehen auch regelmäßig zu den Gruppenstunden des JRK. Damit trägt der Schulsanitätsdienst auch erheblich zur außerschulischen Freizeitgestaltung der Schüler bei. (erarbeitet von Ch. Hottel)